Schwarzer Mond

Schwarzer Mond richtet sein Augenmerk auf besondere Vorlieben: BDSM und Fetisch. Auf dieser Seite wird quer durch den Bücherwald gewandert, um in ausgewählte  Sachbücher und Romane einen kurzen (oder längeren) Blick zu werfen. Wenn dabei der eine oder andere Vorschlag ins Ziel trifft – gut. Wenn es hilft, etwas mehr  zu erfahren von dem, was gemeinhin hinter vorgehaltener Hand und mit hochrotem Kopf geraunt wird – umso besser.

Vintage Dita (Peter W. Czernich)

Déjà-vus sind etwas Feines: es klingelt, meist weit hinten im Oberstübchen, und je älter der Kasten ist, umso mehr Staub muss weggepustet werden, bis aus dem »Kenn-ich-das-nicht?« ein »Aha!« wird.

Mir erging es gleich so, als ich den frisch nachgedruckten Fotoband »Vintage Dita« des Fotografen Peter W. Czernich in die Hände bekam. Hab ich Dita nicht … na, kommt einem ja so vor … gestern noch gesehen in dieser wohlig räkelnden Pose, eingesunken in purpurblaue Seide und mit einem Rot auf den Lippen, dass der Herzschlag bis zu den Ohren bubbert?

Es war nicht gestern, aber vor kurzem, als mir die recht neue CD von »Atrocity« unters Auge kam. Ja, wegen der Musik (die, nebenher eingeworfen, »nett« im Sinne von »gut« ist, »Werk 80II« peppt 80er-Jahre Songs wie »Relax« oder »Such A Shame« auf), nicht wegen Dita, die mit Korsett dürftig verhüllt die CD-Hülle zum Schmelzen bringt.

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Showing You the ropes (Two Knotty Boys)

84 Seiten im nicht nur griffigen, sondern übersichtlichen Großformat, gespickt mit mehr als 750 Einzelfotografi en – die Knotty Boys geben sich alle Mühe, ihre praktischen Anleitungen anschaulich aufzublättern. Doch Mühe allein genügt oft nicht, weshalb ein genauerer Blick auf den Inhalt nötig ist, bevor voreilig bewertet wird.

Die beiden Fesseljungs positionieren ihr Handbuch als „Schritt-für-Schritt-Anleitung“, das zudem bei Anfängern und Einsteigern seine Stärken ausspielen soll. Genau dafür spricht auch der Aufbau des Bandes , setzen die beiden doch vor dem Knoten die Sicherheit. Deshalb stolpern wir – und das natürlich sehr zu recht – zuerst in das Kapitel mit den Sicherheitshinweisen. Die Ratschläge sind recht knapp gehalten, richten das Augenmerk aber auf die wichtigen Aspekte, indem sie Dos und ganz besonders Don‘ts auflistet.

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Fetish Dreams (Herausgeber: Martin Sigrist)

Beginnen wollte ich ursprünglich mit der Frage „Was ist ein Fetisch?“ In diesen unseren modernen Zeiten google auch ich mir die Finger wund – und das im fast im wahrsten Sinne. Die Wikipedia bemühe ich ungern, weil ich gerne Texte namentlich zuordnen will; ich bin altmodisch und mag es zu wissen, wer mir da eine Information mit immer subjektivem Akzent zuschieben will. Aber, ach, über die Wiki hinaus lande ich auch nirgendwo besser. Ein Link lockte mich zu „Ratgeber der Sexualität“, der mir weismacht, dass es allerhand Fetische gibt. So wie „Alte Leute (Omasex)“, „Behaart“, „Milchsex“ oder „Gangbang“. Huch, das ist auch ein Fetisch. Ja, genau wie „Gothic“ – heiliger Bimbam, wer hätte das vermutet – und ist das den Szenegängern auch bewusst, dass sie einem Fetisch anhängen, der in einem Atemzug mit „Tampons ex“ genannt wird.

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Hera: Rechtsanwältin am Tage – Domina in der Nacht (Mirko J. Simoni)

„Tagsüber in Robe im Gerichtssaal, nachts in Lack und Leder in einem von Europas größten S/M-Studios: Hera, Jahrgang 1971, lebt in Köln, arbeitet tagsüber als Rechtsanwältin und drei Abende in der Woche als Domina.“ Bei einem Email-Kontakt lernt genau diese Rechtsanwältin und Domina den weit älteren Purius kennen, die Neugierde aufeinander wächst. Elf Tage weilt Hera schließlich im herrschaftlichen Hause des Millionärs, die meiste Zeit alleine mit ihm, seiner geschäftigen Haushälterin Adele und vier Hunden. Wie die eigenwillige Begegnung zustandekam und weshalb Hera sich in das Domizil des letztlich einsamen Menschen begab, erschließt sich im Tagebuch, das von Autor Mirko J. Simoni in Form gebracht wurde.

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Das SM-Handbuch Spezial, Teil 1 (Herausgeber: Matthias T. J. Grimme)

Wenn schon Haue verabreichen, dann aber mit dem Wissen, was man damit genau bewirkt. Und was man tunlichst unterlassen sollte, damit der Spaß nicht in Qual umschwenkt. Das hat jetzt nichts mit dem Drahtseilakt gemein, den jeder vollführt, der Streicheleinheiten mit der Peitsche verabreicht und weshalb die Nähe zur Körperverletzung juristisch immer ein drohendes Übel ist, sondern mit der Fürsorgepflicht dem Partner gegenüber. Es ist ähnlich wie bei der Kindererziehung: jeder macht es, aber ist es gut so, wie man’s macht? Das weiß man später, und da ist es oft genug zu spät, um sein eigenes Handeln zu korrigieren. Schlecht wäre es nicht schlecht gewesen, hätte man ab und an gewusst, was dieses Tun und jenes Nicht-Tun nach sich zieht. Da hilft manchmal nicht nur der „gesunde“ Menschenverstand – zusätzliches Wissen schadet ebenso wenig. Bei SM ist es nicht anders: wo was wie wirkt, kann und wird wichtig sein. Das liest sich als Text stellenweise arg trocken, nimmt man dann aber beispielsweise für die Auflösung in Kauf, weshalb diese verflixten Arme partout nicht knalleng am Rücken anliegen wollen: die Gelenke können das gar nicht. Das und ähnliches erfährt man spätestens hier.

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Wie Mann seine Sklavin findet. Und behält. (Gregor Sakow)

Sakow … Sakow – der Name sagt mir doch was. Richtig, Sakow bereicherte die magere SM-Bibliothek um seine Storys und Romane mit „Scheißbulle“ Frost. Aber Gregor Sakow kann auch anders, obwohl: So sehr viel anders ist es nicht, was dort zwischen den Buchdeckeln an dunklen Geheimnissen wartet, denn Frost wird nichts davon fremd sein.

Gregor Sakow bittet also uns, die Möchtegern-Doms auf der Suche nach Erfüllung, zum Lehrgang. Das Etablissement ist edel genug, um gleich vier Damen Schauplatz für ihre ganz speziellen Auftritte zu sein. Manuela mit der vorlauten Schnauze, Daniela mit dem Herzen rein wie frische Rosen, und Nora mit den fesselnden Träumen. Ach, und Ingemarie, die resolute – na, nennen wir sie herzhafte Barkeeperin, die der erzählende Autor gerne mit einbeziehen möchte, an der er sich aber die Zähne ausbeißt.

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Plastic Bondage (Philippe Cartier)

Das Nachwort von Philippe Cartier sollte man sich vor dem Goutieren des Bildbandes zu Gemüte ziehen. Der Werdegang, ganz besonders die Schlenker, die ihn abseits der Fotografie führten, bis er in späteren Jahren doch seine Passion mit mehr Hingabe betreiben konnte, ist nicht nur aufschlussreich, sondern schließt den Kreis mit einer Quintessenz, die sich durch alle Fotografien zieht. Alle Fesselungen, egal wie vage sie angedeutet sind oder wie explizit sie ausgeführt wurden, wie verschlungen oder wie eindeutig sich ihre Bahnen winden – niemals steht für Cartier etwas anderes als die Schönheit des weiblichen Körpers im Fokus.

Das ist in Zeiten des Internets und seiner Vermüllung ein Standpunkt, den er zu Recht hervorhebt. Was dort an „Sado-Maso-Mist“ untergejubelt wird, ist nicht auf die spezielle Weise obszön, sondern einfach nur ein Zukleistern mit möglichst ekelhaften Bildern. Mit Leidenschaft für Fesselungen und mit der Magie, die sie auf beide – Zuschauer und Gefesselte/Gefesselter – auszuüben vermögen, haben solche gestellten Schnappschüsse (okay, mancher Fotograf versteht ja sogar das, was man in seinem Falle dann aber auch „Handwerk“ nennen muss – und eben nicht „Kunst“) nichts gemein.

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Fet-X – Ausgabe 5

Das Team um Chefredakteur Gunter Gaudl hat für die 5. Ausgabe einen bunten Reigen prominenter und weniger prominenter Menschen eingespannt, denen eines gemeinsam ist: ihr Faible für Fetisch.

Am deutlichsten wird das bei Latex Yvonne, der so weit wie möglich – also anonym – offen über seine zeitweilige Wandlung zur Gummipuppe berichtet. Das ist alleine deshalb aufschlussreich, weil er seine Probleme beim Ausleben des Fetischs darlegt, die letztlich in der Scheidung von seiner Ehefrau gipfelten. Mit Axel Tüting dagegen zeigt einer auf der »Couch« sein Gesicht, der längst den Schritt in die Öffentlichtkeit getan hat. Die Interviewfragen an ihn runden das Bild noch ab.

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Fet-X – Ausgabe 6

76 Seiten „Fetisch + X“, wie die Titelseite verspricht. Und zweimonatliches Erscheinen – das lesen wir im Impressum. Die Ausgabe 6 ist mittlerweile aber ein paar Tage alt, ohne dass die Nummer 7 angekündigt werden konnte. Und das ist bedauerlich, denn Fet-X bietet genug, um mehr als nur beiläufiges Interesse zu ernten.

Magazine sind ja etwas Schönes. Wenn sie gut gemacht sind, packen sie ein Kaleidoskop von allem hinein, was sich zum Thema anbietet. Das verschafft einen Überblick. Und beweist bei Fetisch sehr schön, dass zwar übers Visuelle gearbeitet wird, aber das pure Foto dann doch nicht die Quintessenz ist. Es transportiert die Idee, den Traum. Deshalb fallen beim Durchblättern natürlich die zahlreichen und in der großen Mehrzahl sehr augenfälligen Fotografien auf, die Models mit mehr oder minder viel Latex auf der Haut zeigen. „Silent View“ mit gewagteren, weil nicht dem puren Latexglanz verhafteten Fotos sticht daraus hervor, da mischen sich Gummi und Verstörung, wenn ich den Blick auf eines der Bilder auf Seite 7 lenke. Und trotzdem sind sie ästhetisch, vielleicht macht es der Kontrast aus, vielleicht auch die Reduzierung auf Schwarz-Weiß, gebrochen durch Kontrapunkte in Form von blutroten Lippen oder feuerrotem Haarschopf …

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Bondage Magazine – Ausgabe 1

Der Untertitel des Magazin vertreibt den Gedanken an eine Fata Morgana: „Alles rund ums Fesseln!“ – Also doch, ein Bondage-Magazin, gedruckt und nicht nur fürs Internet geschaffen. Ich halte das für ein unternehmerisches Wagnis, wo doch alles ins Virtuelle abdriftet. Und ob sich das „rechnet“, wie der nette Buchhalter von nebenan es so fein zu formulieren weiß? Erst einmal ist mir das egal, denn die Ausgabe 1 liegt auf dem Tisch, nicht mehr ganz druckfrisch, sondern aus dem Spätherbst des vergangenen Jahres hinübergedriftet ins neue Jahr, aber noch unverbraucht und mehr als einen Augenblick der Aufmerksamkeit wert …

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